Die 7 Phasen des Kirchbaus in Gimmeldingen

1. Kleine Saalkirche – vor 1160

Phase 1Wir haben unter dem Fußboden Fundamente, die auf eine erste kleine Kirche hindeuten. 5 x 8 m lang mit einer kleinen Apsis. Insgesamt unter 10 m.

Der erste Altar stand ungefähr zwei Meter von der südlichen Seitenwand entfernt, gleich vor dem ersten Fenster, wenn man sich vom Süd-Eingang aus nach Osten wendet.

2. Erweiterung der Saalkirche mit dem Bau eines Turms (1190)

Phase 2Die ursprüngliche Kirche wurde wohl ganz abgerissen. Von dem darauf folgenden Bau haben sich alte Mauerteile im Süden und Westen erhalten. Auf dem Mauerfundament im Süden – quasi vom Altar her gedacht – ist die Kirche nach Westen und Norden gewachsen. Und im Westen wurde ein mächtiger Turm angeschlossen. Die Gerüsthölzer im Turm wurden auf das Jahr 1190 datiert. Das Dach war eher flach geneigt (42°).

Das Bild zeigt, dass es im Osten ein Mauerfundament gab, das darauf hindeutet, dass diese erste Turmkirche die gleiche Erstreckung nach Osten hatte wie der kleine Vorgängerbau. In dem Bild ist zu ergänzen, dass die Nordwand mit dem Turm abgeschlossen hat, sich aber im Süden schon vor den Turm geschoben hat. Ein romanisches Fenster ist noch ganz erhalten, ein zweites (im Westen) ist vermauert. Wozu dieser Raum benötigt wurde, ist unklar. Eine Sakristei war es eher nicht.

 3. Umgestaltung der Kirche (~ 1250)

Wir wissen nicht warum, aber in der Mitte des 13. Jh. wurde in der Kirche mit großem Aufwand gemalt: das große Christophorus-Bild am Turm entstand. Dafür wurde neuer Putz aufgetragen. Der alte war zum Teil schon abgefallen. Aber auch in der Kirche wurde neu verputzt und sie wurde farbig ausgemalt. Das Bild befindet sich links der Mitte.

Da das damals sehr kostbare Christophorus-Bild unmittelbar gegenüber der Alten Burg liegt, kann dort der Stifter, ein salischer Kleinadliger, der die Mittel dazu hatte, vermutet werden. Vielleicht wurde die Ostseite aber einfach nur gewählt, weil sie die dem Wetter abgewandte Seite ist.

4. Anbau des gotischen Chors (14. Jh.)

Die Kirche bekam einen imposanten Chor. Die Fundamente unter dem heutigen Fußboden sind stark. Und der Chor muss auch eine ordentliche Höhe gehabt haben, denn es sind auch Fundamente der Strebepfeiler zu sehen. Sieben Fenster hatte der Chor. In dieser Zeit wurde auch ein neues Dach gebaut. 100 oder 150 Jahre nachdem das Christophorus-Bild entstanden ist, wurde es zum größten Teil vom neuen Dach verdeckt. Nur der Kopf des Heiligen und die Christusfigur schauten über der Dachkante heraus. Sie wurden nicht übermalt. Darum sind sie heute verloren.Phase 4

Das Dach wurde viel spitzer ausgeführt mit einer 57° Neigung.

Das Bild zeigt, dass der Chor deutlich auf die jetzige Nordwand bezogen ist wie. (Zu ergänzen ist, dass er auch auf die romanische Turmöffnung zum Kirchenschiff bezogen ist.) Als der Chor gebaut wurde, muss also die Kirche schon nach Norden verbreitert worden sein. Der Dachfirst des romanischen und des gotischen Chors lagen fast genau über einander. Erst das Barockdach zeigt einen First der deutlich nach Norden verschoben ist und nun erstmals in der Mitte des Turms ansetzt.

5. Veränderungen am Turm (spätes 15. Jh.)

Der Turm bekam eine neues oder überhaupt erst ein Portal im Westen. Dazu wurde der Turmraum mit einem Kreuzrippengewölbe ausgeführt – mit einem Schlussstein, der auf die Schutzherren der Kirche verweist: die wittelsbacher Kürfüsten. Erst seit Ludwig III. (dem Bärtigen – von 1410 bis 1436 Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz) werden die drei Schilde (Löwe, Rauten, Blutschild) neben einander getragen. In dieser Zeit bekam die Kirche einen neuen Taufstein. Er steht heute im Altarraum. Er wurde in dem gleichen hellen Sandstein ausgeführt wie das gotische Stabportal.

 6. Errichtung einer großen Saalkirche (1723)

1749 wurde eine neue Orgel eingebaut. Man ging mit der Zeit. Barockmusik und Orgelbau erleben eine Blüte. Für eine große Orgel musste eine Empore her. Der ganze Raum musste vergrößert werden. Noch einmal wurde das Dach nach oben gesetzt. Aus dieser Zeit stammen die drei Fensterpaare im Westen. Sie hatten damals noch Maßwerk (das dann später entfernt wurde, damit sie zu den neuen Fenstern im Osten passen). Nun hatte die Kirche im Norden und Süden die gleiche Mauerhöhe.

Die Rokoko-Bankwangen stammen aus dieser Zeit. Der Christophorus verschwand nun ganz unter dem Dach, das heute noch die gleiche Höhe hat.

 7. Verlängerung der Saalkirche (1803)

Um einen noch größeren Saal zu bekommen, der nun als Querbau angelegt war, wurde der Chor abgerissen. Mit diesen Steinen wurde die Verlängerung des Saals nach Osten gebaut. Auch das zeigt, wie groß der Chor gewesen sein muss. Der neue Dachstuhl wurde handwerklich meisterhaft mit dem alten barocken Dachstuhl verbunden.

Phase 7Um eine neue klassizistische Kanzel zu bauen, hat man die Wandscheibe zwischen dem letzten barocken und dem ersten neuen Fenster besonders breit ausgeführt. Das wichtigste Möbel der Kirche, die Kanzel, „regierte“ die Ausführung des Neubaus. Offensichtlich nahm man es sogar in Kauf, dass der Rhythmus der Fensterreihe – entgegen dem klassizistischen Stilgefühl – dadurch gestört wurde. Die Kirche bekam, da nun eine neue Sinnachse konstruiert wurde, eine neue Tür im Süden: nun ist die Kirche ausgerichtet von Süd nach Nord: Portal mit Türsturz (Jahreszahl 1803) – Altar – Kanzel. Die Bestuhlung wurde um den Altar angeordnet. So sehen wir die Kirche noch heute. Nur in der Farbgebung hat man sich 1970 für eine Rebarockisierung entschieden. Die Innenrenovierung 2015 hat dieses Konzept bestätigt.

[zilla_alert style=“white“] Das Sieben-Stufenmodell geht zurück auf die Untersuchung des Bauforschers Lorenz Frank, Mainz. [/zilla_alert]

 

Pfr. Thomas Klein