Was es sonst noch zu sehen gibt

Hier möchten wir Ihnen über interessante und wissenswerte Dinge rund um Gimmeldingen berichten.

Brunnen in Gimmeldingen

von Reinhard Kermann

Früher, als es noch keine Wasserleitungen gab, spielten Brunnen eine große Rolle. Hier musste man das Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen holen. Brunnen waren also lebenswichtig. So gab es in Gimmeldingen mindestens 14 Brunnen, die Wassermeister Erwin Weppler in seiner Schrift „Unsere Wasserversorgung hier in Gimmeldingen“ auf S. 3 aufzählt. Drei von ihnen, sie sind oben abgebildet, sollen hier näher beschrieben werden.

Der Loosenbrunnen

Dieser Brunnen war lange Zeit sehr wichtig für das Weinbiethaus. Der Gimmeldinger Wassermeister Erwin Weppler schreibt dazu in seiner Schrift „Unsere Wasserversorgung hier in Gimmeldingen“ auf S. 5: „Von der Loosenbrunnenquelle unterhalb vom Weinbiet holte der Weinbietwirt sein Wasser. Er musste das kostbare Nass mit Eimern hoch schleppen.“ Eine Zeit lang transportierte auch ein Esel das Wasser hinauf. Eine große Erleichterung brachte der Einbau einer Pumpe 1952 und die Verlegung einer Leitung hinauf. Aber seit dem Bau einer Wasserleitung von Haardt zu den Gebäuden auf dem Weinbiet 1988 ist man vom Loosenbrunnen unabhängig geworden.

Wer mehr wissen will und bei Wikipedia das Stichwort „Loosenbrunnen“ eingibt, findet u. a.: “Sein Wasser strebt als 800 m langer Bach vom Loosenbrunnen mit starkem Gefälle nach Nordosten ins Gimmeldinger Tal hinunter, wo der Mußbach, der mehr als 200 m tiefer vorbeifließt, es von rechts aufnimmt.“ Das stimmt leider nicht, denn in Wirklichkeit versickert das Rinnsal nach wenigen Metern im Waldboden. Neuer Versuch: Wir schlagen bei Wikipedia „Weinbiet“ auf und dort das Stichwort „Gewässer“. Da steht: „An der Nordflanke des Weinbiets entspringt in 460 m Höhe ein 800 m langer Bach, dessen Quelle im Naturdenkmal Loosenbrunnen gefasst ist. Der Bach ist einer der stärksten Zuflüsse des Mußbachs und mündet in diesen bei der Looganlage von rechts.“ Ich erinnere mich, dass Alfred Sitzmann mich einst fragte, wo und wie man das korrigieren könnte. Ich gebe diese Frage hier gern an die Leser des Gemeindebriefes weiter.

So müssen Wanderer hier keine Brücke überqueren, die über einen Bach führt, der dem Berg hier entspringt. Aber sie legen gern eine kurze Rast ein, um ein paar Schluck frisches Quellwasser mit Händen aufzunehmen, auch wenn es recht beschwerlich ist. Denn schlichter kann ein Wasserauslauf nicht sein, noch dazu in Bodenhöhe! Aber dann schafft es ein flotter Wanderer in 12 Minuten hinauf. Oder er verweilt noch auf der Bank, die oberhalb der Brunnenstube einlädt.

 

 

Der Gliggerlesbrunnen

Er ist wohl der schönste Brunnen von Gimmeldingen, denn auf dem großen Sandsteintrog kauert ein mit Klickern spielender kleiner Junge, ein echtes Kunstwerk! Geschaffen hat es der Bildhauer Bernhard Mathäss aus Duttweiler, dem wir auch viele andere Werke in unserer Region verdanken. In Gimmeldingen ist es der Mandelblütenthron vor der Meerspinnhalle und in Neustadt betrachten sich Kunigunde und De Werth an der Hauptstraße. Von ihm ist auch die verführerische Nixe am Speyerbach. Im Foto spielt der Knabe, bei dem der Bildhauer seinen sechsjährigen Sohn als Modell gewählt hatte, mit Klara. An diesem trüben Tag lief der Brunnen nicht. Doch auf dem Foto links floß das Wasser, denn an diesem Tag schien die Sonne. Die Solaranlage (s. Foto) machte es möglich. Dieser Brunnen, bei dem auch der Gimmeldinger Bildhauer Peter Schaumann mitgewirkt hat, steht hier seit 2000.

Seine Vorgeschichte beschreibt Erwin Weppler auf S. 4 in „Unsere Wasserversorgung hier in Gimmeldingen“ so: „Zu dem ehemaligen Brunnen an der Kapelle ist zu vermerken: Die gusseiserne Schwengelpumpe, an die ich mich noch erinnern kann, wurde in den 30er Jahren (als eine „Neue Zeit“ anbrach), mutwillig zerstört und der Schacht mit einem Gussdeckel verschlossen. Aber die Loblocher wollten ja auch wieder einen Brunnen haben! So wurde auf Drängen von Walter Schwarztrauber, mit Unterstützung vom damaligen Ortsvorsteher Dr. Preuninger, der Schacht gereinigt. Dabei fand man ein kleines Wässerchen. Man setzte eine solargetriebene Pumpe rein und so fließt das Wässerchen - bei Sonnenschein - in einen großen Sandsteintrog."

Der Altbachbrunnen

Direkt an der Peter-Koch-Straße und gegenüber vom Kaisergärtchen fließt ein dicker Strahl klaren Quellwassers in einen massiven Sandsteintrog. Es ist der Altbachbrunnen, der auch Wasser liefert für die Würfeltürme im Kaisergärtchen und für den Wasserauslauf oben im Mühlgarten. Doch wo ist die Quelle, die so stark schüttet, dass sie gleich an drei Stellen für fließendes Wasser sorgt? Denn im Gegensatz zu Brunnen mit Schwengelpumpen ist hier das Wasser stets freilaufend. Die Quelle muß also höher liegen als dieser Brunnen.

Wassermeister Erwin Weppler schreibt dazu in „Wasser und Wässerchen um Gimmeldingen“ auf S. 3: „Wenn wir nach links über den Sportplatz blicken, könnte man theoretisch einen runden Gussdeckel sehen: der Quellschacht der Altbachquelle. Mit Sandsteinringen hergestellt, ca. 4 m tief. Hier ist der Austritt einer ca. 1,5 l/sek. starken Quelle, die unbeirrt, Sommer wie Winter den so genannten Altbachbrunnen am Kaisergärtlein speist.“ Und weiter schreibt er: „Eine Leitung habe ich über die Straße geführt, zum Kaisergärtchen-Springbrunnen, eine weitere Leitung hoch geführt bis zum Anwesen Mugler für den sogenannten „Gräwelbrunnen“. Die einen haben die Leitung gestiftet, die anderen störte das Wässerchen. So wurde der „Gräwelbrunnen“ 2008 auf Veranlassung von Dr. Preuninger abgestellt.“ Und wie kommt das Wasser von der Quelle am Sportplatz zum Brunnen an der Peter-Koch-Straße? Dazu schreibt er: „Die Zuleitung für den Altbachbrunnen führt über den Sportplatz zwischen den Reihenhäusern durch, über das ehem. Grundstück von Erich Kühner - jetzt Christmann. Bei der Bachüberquerung ist die Leitung sichtbar. Ich durfte schon mithelfen, die Leitung in Rohren 2“ verzinkt zu erneuern.“ Übrigens: Die „Bachüberquerung“ war erforderlich, weil die Quelle südlich und der Brunnen nördlich vom Mußbach liegt. - So viel zu diesen drei Brunnen.


Hinauf, hinauf zur Burg...

von Martin Ferckel

Nach zweijähriger Zwangspause konnte die Landjugend Mußbach-Gimmeldingen endlich wieder ihr schon mittlerweile, traditionelles Burgfest feiern. Um das Programm an der Gimmeldinger Kerwe zu erweitern, war der Termin bereits frühzeitig auf den Kerwe-Samstag gelegt worden. An diesem wurde auch nach der Absage der Kerwe festgehalten, zumal es somit auch keinerlei Widersprüche in puncto Vogelschutz/Brutzeit gab. Einige Änderungen im Vergleich zu den bisherigen Burg-Veranstaltungen brachten allerdings die gegebenen Umstände mit sich. So wurde zum ersten Mal nicht klassisch auf der Rebenglut gegrillt, da man keinerlei Risiko mit Blick auf die Trockenheit und hohe Brandgefahr eingehen wollte. Die Bratwürste schmeckten allerdings auch aus dem Bräter vorzüglich. Des Weiteren wurde leider keine Live-Band gefunden, die zu diesem Termin die Besucher des Burgfestes unterhalten wollte und so musste das diesjährige Fest ohne musikalische Untermalung stattfinden. Dafür spielte aber das Wetter mit, auch wenn es zur vorgerückten Stunde etwas zugig und kühler wurde, was viele Besucher nach den vielen Sommertagen wohl nichtmehr gewohnt waren. So klang das Fest mit dem Mitternacht-Schlag unserer Kirche friedlich und für alle Beteiligten zufriedenstel


Ein Gang über unseren Friedhof

von Barbara Kermann

November- kurze Tage, lange dunkle Nächte, der Monat der Totengedenktage: Volkstrauertag, Allerheiligen, Ewigkeitssonntag und dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, bei dem im Gottesdienst noch einmal aller im vergangenen Jahr Verstorbener gedacht wird. Auch ein Besuch auf dem Friedhof im November ist Teil unserer christlichen Tradition. Seit genau 200 Jahren nehmen die Menschen aus Gimmeldingen Abschied von ihren Toten auf dem heutigen Friedhof, nach dem er 1822 vom Kirchplatz dorthin verlegt wurde. Die Erweiterungen aus jüngeren Zeiten kann man gut erkennen. Auch die Bestattungsformen haben sich geändert und die Entwicklung zu einfacheren Erinnerungsformen ist gut zu erkennen. Das war vor 100 Jahren noch anders. Besonders ins Auge fallen einige besonders aufwändig gestaltete Grabdenkmäler, die etwa um 1900 entstanden sind. Fünf von ihnen haben sogar auf Seite 116, 118 und 119 Eingang in den Band „ Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Stadt Neustadt an der Weinstraße. 19.2“ aus der Reihe „Denkmaltopograhie Bundesrepublik Deutschland“ gefunden.

azu gehört das Grabdenkmal der Familie HäusserChristmann. Man sieht eine „ breite klassizierende Schauwand unter Eindruck des Jugendstils… Zentral überhöhte Ädikula mit Vasenaufsätzen.“ (S. 116)

Das Grabmal der Fam. Schwenk und Wiedemann: Auf einem hohen Sandsteinsockel sitzt eine Trauernde, auf eine Urne gestützt.

Auf einem hohen, schwarzen Sockel ist auf dem Grabmal der Familie Burck ein großer, schreitender Engel mit einer Rose dargestellt.

An der Südwand des Friedhofs entdeckt man auf einer dreiteiligen Sandsteinplatte ein Relief, das ein Paar in einem Kahn mit einem Ruderer zeigt, die Darstellung der Überfahrt in das Totenreich nach der griechischen Mythologie, Grabmal von Ernst und Karl Stolleis.

 

Man kann noch weitere, wunderschöne kunsthistorisch bemerkenswerte Grabdenkmäler auf unserem Friedhof entdecken, die sicherlich erhaltenswert sind. Bei einem Spaziergang sind es aber nicht diese Kunstwerke, die einen wirklich berühren. Man blickt auf die vielen liebevoll gepflegten Gräber, wo die Hinterbliebenen ihre Achtung und Zuneigung gegenüber den Verstorbenen auf verschiedene Weise zum Ausdruck bringen. Es sind die vielen Namen Verstorbener an denen man vorbeikommt. Immer wieder hält man inne , weil man Namen von Menschen liest, die man gekannt hat, man erinnert sich an Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und Gespräche. Alle hatten ihr Leben und ihr persönliches Schicksal und haben nun hier auf unserem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden.