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Unsre' kleine aber feine Königin der Instrumente

Die Oberlinger-Steinmeyer-Orgel der Gimmeldinger Laurentiuskirche

1749-50 erstellte Johann Michael Hartung (Bad Dürkheim), damals ein namhafter und regional sehr aktiver Orgelbauer, die erste Orgel in Gimmeldingen. Die im süddeutschen Barockstil ausgerichtete Orgel, deren Prospekt und Gehäuse heute noch erhalten sind, verfügte über 13 Register auf einem Manual und Pedal. Ein ähnliches Orgelwerk ist heute noch in Rohrbach bei Landau erhalten.

Die Disposition war folgende:

Manual (C,D-c‘‘‘):

Gedackt 8‘

Quintadena 8‘ (Bass)

Solicional 8‘ (Discant)

Principal 4‘

Gedackt 4‘

Quint 3‘

Octave 2‘

Sesquialter 1 1/2‘

Mixtur IV 1‘

Cimbel 1‘

Vox humana 8‘

Pedal (C,D-f 0 ):

Subbaß 16‘

Octavbaß 8‘

Posaune 8‘

Tremulant, Pedalkoppel

 

Im Jahre 1781 reinigten die Orgelbauer Stumm die Orgel und bauten ein neues Register ein. Anlässlich des Kirchenumbaus 1803-06, bei dem Chor abgebrochen wurde, setzte der Orgelbauer Ignaz Seuffert (Kirrweiler) das Orgelwerk auf die Empore im Westen um. Im 19. Jahrhundert wurde die Orgel regelmäßig gestimmt und repariert, u. a. durch Carl Wagner (Kaiserslautern), Seuffert und Gustav Schlimbach (Speyer). 1899 legte Orgelbauer Franz Xaver Christ (Steinfeld) ein Angebot zur klanglichen Umgestaltung im Sinne der Romantik vor, dieses kam jedoch nicht zur Ausführung, sodass wohl lediglich die Posaune durch ein Cello 8‘ ersetzt wurde. In den 1920er Jahren wurde eine Umgestaltung der Orgel erwogen, u. a. war der seinerzeit renommierte Orgelsachverständige Mehl in Gimmeldingen. Weitere Schritte erfolgten nicht. 1951 wurde die Hartung-Orgel durch Orgelbau Kemper (Lübeck) mit einem elektrischen Windmotor ausgestattet. Der Orgelbausachverständige der ev. Kirche der Pfalz, Adolf Graf, empfahl in Gutachten 1951 und 1953 eine Erweiterung der Orgel auf 2 Manuale und Pedal. Diese Vorgehensweise entsprach dem damaligen Zeitgeschmack der sog. Orgelbewegung, die ein norddeutsch barockes Klangideal verfolgte und daher die historische einmanualige Orgel einer „Barockisierung“ unterzog. Die von Graf favorisierte Orgelbaufirma Oberlinger (Windesheim) erhielt den Auftrag und begann im Januar 1956 mit dem Abbau der alten Orgel. Das Gehäuse blieb mit Veränderungen erhalten und wurde links und rechts für die Pedalregister verbreitert. Am 29.04.1956 konnte die neue, heutige Orgel mit 20 Registern auf 2 Manualen und Pedal in Dienst gestellt werden. Einige Pfeifen der Hartung-Orgel wurden in die neue Orgel übernommen. 1969 wurde das ursprünglich naturbelassene Eichengehäuse in Farbe gefasst, 1984 die Balganlage überarbeitet und 1995 durch Orgelbau G. F. Steinmeyer (Oettingen) die Traktur, d. h. die Mechanik aufgrund häufiger Störungen erneuert. 2015 wurde die zu schrille Zimbel 4-fach 1/2‘ durch eine gebraucht angekaufte Zimbel 4-fach 1‘ ersetzt, die für mehr Gravität im Positiv sorgt. Orgelbau Weise (Plattling/Niederbayern) lieferte die Pfeifen, die 1970 für die Orgel der kath. Kirche in Deuerling bei Regensburg erstellt und dort infolge eines Umbaus ersetzt wurden. Orgelbaumeister Peter Ohlert (Kirkel) übernahm Einbau, Intonation und Stimmung der Pfeifen. Im Jahr 2019 überarbeitete die Orgelbaufirma Raab & Plenz (Hackenheim) die Intonation der Zungenstimmen, der Flötenregister und der Mixtur. Außerdem wurden 12 neue Pfeifen in der tiefen Oktave des Principal 8‘ eingesetzt.

 

Hauptwerk (I), C-g‘‘‘             Positiv (II), C-g‘‘‘          Pedal (C-f‘)

Principal 8‘                              Gedackt 8‘                   Subbaß 16‘

Rohrflöte 8‘                             Koppelflöte 4‘             Octavbaß 8‘

Octave 4‘                                 Principal 2‘                  Choralbaß 4‘

Kleingedackt 4‘                       Terz 1 3/5‘                    Stille Posaune 16‘

Superoctave 2‘                        Quint 1 1/3‘                 Cornett 2‘

Sesquialter II 2 2/3’(ab c0 )     Zimbel IV 1‘
Mixtur V 1 1/3‘                       Vox humana 8‘         
  Koppeln:

Trompete 8‘                            Tremulant                   II-I, I-Ped, II-Ped

Tremulant

 

Im prot. Kirchenbezirk Neustadt besitzt die Gimmeldinger Orgel das älteste Gehäuse und sie war der erste mechanisch traktierte neobarocke Neubau. Zudem darf sie als Klangdokument der frühen Orgelbewegung am Übergang vom romantischen zu einem neu interpretierten norddeutschen Klangideal gelten.

 

(Text: Thomas Kaiser)