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St. Laurentius Kirche Gimmeldingen

📜 Die 7 Bauphasen im Überblick

vor 1160
Kleine Saalkirche – 5 × 8 m mit kleiner Apsis, erste Fundamente unter dem heutigen Fußboden.
1190
Erweiterung & Turmbau – mächtiger Westturm, Gerüsthölzer auf 1190 datiert, flach geneigtes Dach (42°).
~1250
Umgestaltung & Ausmalung – das große Christophorus-Bild entsteht, Kirche wird farbig ausgemalt.
14. Jh.
Gotischer Chor – imposanter Choranbau mit sieben Fenstern und Strebepfeilern, Dach auf 57° Neigung.
sp. 15. Jh.
Turmveränderungen – neues Westportal, Kreuzrippengewölbe mit wittelsbachem Schlussstein, neuer Taufstein.
1723
Große Saalkirche – Dacherhöhung, neue Empore für die Orgel (1749), drei Fensterpaare im Westen, Rokoko-Bankwangen.
1803
Verlängerung als Querbau – gotischer Chor abgerissen, Saal nach Osten verlängert, neue Sinnachse Süd–Nord, klassizistische Kanzel.

🏛️ Die Bauphasen im Detail

Phase 1
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Kleine Saalkirche – vor 1160

Unter dem heutigen Fußboden finden sich Fundamente, die auf eine erste kleine Kirche hindeuten – 5 × 8 m mit einer kleinen Apsis, insgesamt unter 10 m Gesamtlänge. Der erste Altar stand ungefähr zwei Meter von der südlichen Seitenwand entfernt, gleich vor dem ersten Fenster, wenn man sich vom Süd-Eingang aus nach Osten wendet.
Phase 2
2

Erweiterung mit Turmbau – 1190

Die ursprüngliche Kirche wurde wohl ganz abgerissen. Im Westen wurde ein mächtiger Turm angeschlossen – die Gerüsthölzer wurden auf das Jahr 1190 datiert. Das Dach war eher flach geneigt (42°). Ein romanisches Fenster ist noch vollständig erhalten, ein zweites im Westen vermauert. Alte Mauerteile im Süden und Westen haben sich bis heute erhalten.
3

Umgestaltung & Ausmalung – ~1250

In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde in der Kirche mit großem Aufwand gemalt: Das große Christophorus-Bild am Turm entstand. Dafür wurde neuer Putz aufgetragen. Auch in der Kirche wurde neu verputzt und sie farbig ausgemalt. Da das kostbare Christophorus-Bild unmittelbar gegenüber der Alten Burg liegt, kann dort der Stifter – ein salischer Kleinadliger – vermutet werden.
Phase 4
4

Anbau des gotischen Chors – 14. Jh.

Die Kirche bekam einen imposanten Chor – mit sieben Fenstern und kräftigen Strebepfeilern. Das neue Dach wurde viel spitzer ausgeführt mit einer 57° Neigung. Das Christophorus-Bild wurde dabei zum größten Teil vom neuen Dach verdeckt – nur Kopf des Heiligen und die Christusfigur blieben sichtbar. Erst das spätere Barockdach zeigt einen First, der nun erstmals in der Mitte des Turms ansetzt.
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Veränderungen am Turm – spätes 15. Jh.

Der Turm erhielt ein neues Westportal und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe versehen – mit einem Schlussstein, der auf die wittelsbachischen Kurfürsten als Schutzherren der Kirche verweist (drei Schilde: Löwe, Rauten, Blutschild – seit Ludwig III., dem Bärtigen, ab 1410). Die Kirche erhielt in dieser Zeit auch einen neuen Taufstein aus hellem Sandstein, der heute im Altarraum steht.
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Große Saalkirche – 1723

1749 wurde eine neue Orgel eingebaut – für eine große Orgel musste eine Empore her, der ganze Raum wurde vergrößert. Das Dach wurde erneut nach oben gesetzt. Aus dieser Zeit stammen die drei Fensterpaare im Westen, die ursprünglich noch Maßwerk besaßen. Die Rokoko-Bankwangen stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Der Christophorus verschwand nun ganz unter dem Dach, das noch heute die gleiche Höhe hat.
Phase 7
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Verlängerung als Querbau – 1803

Der gotische Chor wurde abgerissen, mit seinen Steinen der Saal nach Osten verlängert. Eine neue Sinnachse Süd–Nord entstand: Portal (Jahreszahl 1803) – Altar – Kanzel. Der neue klassizistische Dachstuhl wurde handwerklich meisterhaft mit dem alten barocken verbunden. Die Bestuhlung wurde um den Altar angeordnet – so sehen wir die Kirche noch heute. Die Innenrenovierung 2015 bestätigte das 1970 gewählte Rebarockisierungskonzept.
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Forschungsgrundlage

Das Sieben-Stufenmodell geht zurück auf die Untersuchung des Bauforschers Lorenz Frank, Mainz. Seine systematische Analyse der Fundamente, Mauerstrukturen und Baudaten ermöglicht die präzise Rekonstruktion der Baugeschichte über mehr als acht Jahrhunderte.